#AlleRetten
Bouton menu

Über die Kampagne

Liebe Leserin, lieber Leser,

SOS MEDITERRANEE, das ist vor allem die Geschichte einer zivilgesellschaftlichen Bewegung erstaunlichen Ausmaßes, einer Mobilisierung angesichts der unerträglichen Situation auf dem Mittelmeer. Als wir den etwas verrückten Plan in die Tat umgesetzt haben, ein Schiff für die Seenotrettung zu chartern, hatten wir uns keinen zeitlichen Rahmen gesetzt. Das Ziel war es, Leben zu retten und ausgehend vom Willen der europäischen Zivilgesellschaft professionelle Seenotrettung und Menschenrechtsarbeit zu leisten. Ein einziges gerettetes Leben hätte unsere Mühen gerechtfertigt. Wir hatten damals keine Ahnung, wie sehr uns die Empörung und die Solidarität der freiwilligen Helfer*innen über Jahre hinweg tragen würden. Seit fünf Jahren rettet die Mobilisierung an Land Menschenleben auf dem Meer.

Denn ohne das Engagement zehntausender Helfer*innen in ganz Europa hätten wir niemals erst die Aquarius und dann die Ocean Viking chartern können, um all diesen Kindern, Frauen und Männern zu Hilfe zu kommen, die in seeuntüchtigen Booten von Libyen aus in See stechen. Wir können dem nicht tatenlos zusehen, weil wir uns der unter Seeleuten üblichen Solidarität verpflichtet fühlen.

Retten, schützen und Bericht erstatten sind die drei Pfeiler unserer Arbeit. Während die Rettungseinsätze von SOS MEDITERRANEE auf dem Meer weitergehen, nimmt die zivilgesellschaftliche Unterstützung an Land immer strukturiertere Formen an. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Veranstaltungen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit organisiert. In Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Italien gründeten sich vier Vereine, und überall in Europa haben sich weitere Freiwilligengruppen zusammengefunden, um über die Tragödie auf dem Mittelmeer aufzuklären und die Untätigkeit der EU-Mitgliedsstaaten zu kritisieren.

Seit Beginn dieses Jahres ereignet sich an Land durch die Verbreitung von COVID-19 ein weiteres menschliches Drama. Staaten und ihre Bürger*innen leisten eine bemerkenswerte Zusammenarbeit und Unterstützung für die Menschen, die sich aufgrund der Pandemie in Lebensgefahr befinden. Sie respektieren die Pflicht zu helfen und zeigen Solidarität gegenüber den Mitarbeitenden im Gesundheitswesen.

Währenddessen beobachten wir auf See, dass der humanitäre Raum im zentralen Mittelmeer immer kleiner wird; mit einer beispiellosen Untätigkeit Europäischer Staaten im Bereich der Seenotrettung und einem völligen Fehlen staatlicher Koordination während in Seenot geratene Boote zu zerbrechen drohen und die Menschen darin sich selbst überlassen werden. Internationales Recht zu wahren und die Pflicht Menschenleben auf See und an Land zu retten, ist die Verantwortung aller Europäischen Staaten, besonders in Zeiten einer Krise.

Wegen der öffentlichen Einschränkungen wird #AlleRetten zu #AlleRetten 2.0. Zusätzlich zu den verschobenen Veranstaltungen starten wir eine Solidaritäts-Aktion, bei der Menschen in und über Europa hinaus daran erinnern, dass es jeden Tag erneut Priorität ist, Leben zu retten – an Land und auf See.

Solidarität rettet Leben - an Land und auf See.

Wir #AlleRetten